seevogel des jahres 2022: Der Eissturmvogel (Fulmarus glacialis)

Der Verein Jordsand hat den Eissturmvogel (Fulmarus glacialis) zum „Seevogel des Jahres 2022“ ernannt. Der Eissturmvogel ist ein echter Hochseevogel und hält sich nur zur Brutzeit an Land auf. In Deutschland brütet er ausschließlich auf Helgoland. Ein markantes Merkmal ist seine Röhrennase, über die er überschüssiges Meersalz ausscheidet. Durch zu viel Plastikmüll im Meer, die Fischerei mit Langleinen und Stellnetzen sowie ein verringertes Nahrungsangebot aufgrund des Klimawandels nimmt die Zahl der Eissturmvögel seit Jahrzehnten drastisch ab. In diesem Jahr brüteten auf Helgoland nur noch 25 Brutpaare. „Da Eissturmvögel lediglich ein Ei pro Jahr legen und erst im Alter zwischen 8 und 12 Jahren geschlechtsreif sind, werden sie wahrscheinlich in Deutschland aussterben, da nicht mehr genug Tiere zum Erhalt der Gesamtpopulation überleben“, sagt Prof. Stefan Garthe vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste und Beiratsmitglied im Verein Jordsand. „Der Eissturmvogel kann nur überleben, wenn wirksame länderübergreifende Umweltschutzmaßnahmen in den Bereichen Fischerei, Klimaschutz und Meeresmüll umgesetzt werden“, fordert Dr. Steffen Gruber, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Jordsand.

 

Eissturmvögel sind Allesfresser und nehmen ihre Nahrung hauptsächlich von der Meeresoberfläche auf. Die Hauptnahrung machen eigentlich Fische, Tintenfische, Zooplankton, Schlachtabfälle der Fischerei sowie Aas aus. Aufgrund der starken Meeresverschmutzung fressen die Vögel jedoch zunehmend Plastikmüll, den sie für Nahrung halten und verhungern dann mit vollem Magen. „Der Eissturmvogel zeigt uns unfreiwillig, wie viel Plastikmüll in unserer Nordsee schwimmt und welche negativen Folgen das hat“, so Dr. Gruber, „der Eintrag von Plastikmüll in die Weltmeere muss daher dringend gestoppt werden.“ Das häufige Auftreten von Müll in den Mägen von Eissturmvögeln hat sich zu einem großen Monitoring-Programm für Umweltfolgen im Meer entwickelt. Heute werden im Rahmen der Meeresschutzkonvention OSPAR an der Küste der gesamten Nordsee tote Eissturmvögel gesammelt und untersucht. Die Befunde dienen als Anzeiger für den Zustand der Meeresumwelt.

 

In der industriellen Fischerei ist der Beifang von zu kleinen und bedrohten Fischarten, Seevögeln und anderen Meereslebewesen ein sehr großes Problem. Durch diesen Raubbau verenden so jährlich weltweit Millionen Tonnen Meerestiere in Fischernetzen. Durch Langleinen-Fischerei in der Norwegen-See und im Atlantik verfangen sich Eissturmvögel und andere Seevögel ungewollt an den Haken für die Fische und ertrinken qualvoll. Auch in Stellnetzen verfangen sie sich und es kommt zu hohen Sterblichkeiten. „Durch den Einsatz angepasster Hakensysteme bei Langleinen, speziellen Öffnungen in den Netzen oder Vergrämungsmaßnahmen kann der Beifang erheblich verringert werden“, sagt Dr. Gruber.

 

Langfristig wird der Eissturmvogel wahrscheinlich am meisten durch den Klimawandel bedroht. Denn der Klimawandel sorgt für steigende Luft- und Wassertemperaturen. „Dadurch verändert sich das Ökosystem der Meere negativ. Dies hat einen starken Einfluss auf die Nahrungsquellen der Eissturmvögel wie Zooplankton und Sandaale“, führt Prof. Garthe aus. Der Klimawandel ist die größte gesellschaftliche Herausforderung vor der Menschen und Ökosysteme weltweit stehen.

 

Kontakt für Nachfragen:

 

Elmar Ballstaedt, M.Sc.

Ornithologische Stationsleitung Helgoland

VEREIN JORDSAND zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

- Außenstelle Helgoland -

Hummerbude 35

D-27498 Helgoland

Mobil: 0157 85065582

E-Mail: elmar.ballstaedt@jordsand.de

 

Dr. Steffen Gruber

Geschäftsführer

VEREIN JORDSAND zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V.

- Geschäftsstelle -

Bornkampsweg 35

D-22926 Ahrensburg

Tel.: 04102 200332

E-Mail: steffen.gruber@jordsand.de


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