Vor Ort
1. NSG Rantumbecken, Sylt.
2. NSG Amrum-Odde.
3. Hauke-Haien-Koog .
4. Hallig Habel.
5. Hallig Norderoog.
6. Norderoogsand.
7. Hallig Südfall.
8. und 9. Helgoland.
10. Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer.
11. NSG Schleimündung.
12. Insel Möwenberg.
13. NSG Greifswalder Oie.
14. NSG Insel Görmitz.
15. NSG Schwarztonnensand.
16. NSG Asseler Sand.
17. Haus der Natur.
18. Ahrensburger Tunneltal.
19. NSG Höltigbaum.
20. NSG Hoisdorfer Teiche.
21. Galenbecker See.
Steckbrief
Bundesland | : | Schleswig-Holstein |
Landkreis | : | Nordfriesland |
Größe | : | 1.200 ha |
Schutzgebiet seit | : | 2000 |
Schutzstatus | : | VSR, RAMSAR |
Betreuung seit | : | 1967 |
Impressionen
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Kontakt vor Ort
Ansprechpartner | : | Walter Petersen-Andresen, |
Adresse der Schutzstation | : | Hauke-Haien-Koog |
Telefon | : | 04674/848 |
Öffnungszeiten Infozentrum | : | Di, Do-So 09:00-12:00 Uhr und 14:00-17:30 |
Führungen | : | Di, Do-So um 10:00 Uhr |
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Bitte beachten: Änderungen der Öffnungs- und Führungszeiten aufgrund von Vogelzählungen vorbehalten. Bitte vorher erkundigen. | ||
Hauke-Haien-Koog
Der Hauke-Haien-Koog ist 1.200 ha groß, schmal elliptisch in Nord-Süd-Ausrichtung und liegt zwischen Bredstedt und Leck im Kreis Nordfriesland direkt an der Küste. Etwa 500 ha sind landwirtschaftlich als Acker genutzt. Von den verbleibenden rund 700 ha entfallen rund 371 ha auf das Südbecken und 167 ha auf das Nordbecken. Diese beiden Becken bilden das eigentliche Betreuungsgebiet des Verein Jordsand mit zusammen also 538 ha.
1958/59 wurde vor dem Ockholmer, dem Blomen und dem Fahretofter Koog diese 1.200 ha große Wattenmeerbucht eingedeicht. Benannt wurde sie nach dem jungen Deichgrafen Hauke Haien aus der Novelle „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm. Das schon höher liegende Vorland unmittelbar vor dem alten Landesschutzdeich wurde fortan landwirtschaftlich genutzt. Grund für die Eindeichung war jedoch in erster Linie die Nutzung der westlich dem bewachsenen Vorland vorgelagerten, tiefer liegenden Wattflächen als Süßwasserspeicher.
Die Lecker und die Soholmer Au mündeten zuvor bei Bongsiel in die Nordsee. Mit dem Bau des Hauke Haien-Kooges wurden die letzten Kilometer des Unterlaufes der zusammengelegten Flussläufe nach Norden verlegt und mündeten zukünftig frei auslaufend über ein neues Siel, das „Schlüttsiel“, in die Nordsee. Die beiden Flüsse entwässern rund 720 km2 Hinterland. Mit dem Bau der Süßwasserspeicherbecken konnte sichergestellt werden, dass bei Sturmflutwetterlagen – also Schließung des Siels bei Schlüttsiel – und anhaltendem Regen das Niederschlagswasser, das die beiden Flüsse von der Geest herantransportierten, nicht die tief liegenden Flächen der Marsch überschwemmt. Das Wasser wird vorübergehend in das Süd- und Nordbecken des neuen Hauke-Haien-Kooges eingeleitet, so lange, bis sich die Wetterlage entspannt. Es handelt sich also in erster Linie um eine wasserwirtschaftliche Anlage. Sie ist im Eigentum des Deich- und Hauptsielverbandes Südwesthörn-Bongsiel, eines Wasser- und Bodenverbandes mit Sitz in Niebüll. Der Hauke-Haien-Koog ist kein Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet. Im Jahr 2000 wurde der Hauke-Haien- Koog von der schleswig-holsteinischen Landesregierung als „Vogelschutzgebiet“ nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Kommission gemeldet. Als Teil des großen Vogelschutzgebietes „Ramsargebiet schleswig-holsteinisches Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete“ wurde er am 4. September 2006 durch den Landwirtschafts- und Umweltminister formell zum Europäischen Vogelschutzgebiet erklärt. Gleichzeitig wurden die Erhaltungsziele für das Gebiet im schleswig-holsteinischen Amtsblatt bekannt gegeben. Sie sind unter www.natura2000- sh.de im Internet einsehbar und können dort auch herunter geladen werden.
Seit 1967 werden die beiden Speicherbecken auf der Grundlage eines Vertrages zwischen dem Deich- und Hauptsielverband und dem Verein Jordsand von diesem betreut. Seit 1967 steht an der Rückseite des Südbeckens ein Blockhaus, in dem zumindest im Sommer ständig ein Vogelwart wohnt. Seit 1980 dient die alte Deicharbeiterunterkunft in Schlüttsiel als zentrale Anlaufstelle mit Infozentrum (siehe unten). Von hier aus werden die beiden Halligen Norderoog und Habel versorgt sowie die Arbeitseinsätze auf diesen Halligen koordiniert.
Die zunächst von höheren Pflanzen weitgehend unbesiedelten Wattflächen, die nach der Eindeichung ab 1959 zu Süßwasserspeicherbecken wurden, erfuhren mit der Aussüßung eine tief greifende Änderung. Sie ist kurz von Brehm (1971) beschrieben worden. Zunächst waren weite Flächen vom Rotschwingel, der Salzbinse sowie dem Weißen Straußgras bedeckt. Auf Flächen, die einen höheren Salzgehalt aufwiesen, wuchs der Andel, das typische Gras der tiefer liegenden, stärker von Salz beeinflussten Vorlandflächen. Insgesamt stellten sich so Hunderte von Hektar als sehr offen und übersichtlich dar. Hier brüteten Lachmöwen, Küsten- und Flussseeschwalben, Rotschenkel, Kiebitze, Austernfischer, Uferschnepfen, Kampfläufer und früher auch Sandregenpfeifer, Alpenstrandläufer und Zwergseeschwalbe. Bis auf die Flussseeschwalbe – diese allerdings mit starken Schwankungen auf niedrigem Niveau – sind die Brutzahlen der genannten Arten deutlich rückläufig (Hennig 2003). Dies liegt zum Teil an überregionalen negativen Bestandsentwicklungen und wird zum anderen durch die natürliche Entwicklung der Vegetation in den beiden Speicherbecken verstärkt.
Diese ist geprägt durch die Verringerung des Bodensalzgehaltes. Bereits Ende der 1970er Jahre besiedelte das Schilf alle Flachwasser- und Uferbereiche. Erste Weiden kamen auf. Dieser Trend wurde zunächst bedauert und es gab – vergebliche – Versuche, ihn aufzuhalten. Bedauert wurde vor allem der Rückgang der genannten Brutvögel des Offenlandes. Mit der Eindeichung 1959 und der nachfolgenden Einleitung von Süßwasser lief jedoch mit Macht eine Sukzession in Richtung Süßwasser-Feuchtgebiet ab, die nicht aufzuhalten war. Deshalb war es klug, sich dieser Entwicklung nicht entgegen zu stemmen. Heute besiedelt das Schilf mehrere Hundert Hektar vor allem im Süd- und im geringen Umfang auch im Nordbecken.
Mit der Vergrößerung des Röhrichts kamen die Röhrichtvögel wie Rohrsänger, Rohrammer, Rohrdommel und Rohrweihe, aber auch Wasser- und Tüpfelralle sowie Enten und Graugänse. Neben vielen überregionalen Trends, die sich auch im Hauke-Haien-Koog widerspiegeln, wie dem Rückgang der Wiesenvögel oder der Rückkehr der Kormorane, finden sich auch einige Besonderheiten, auf die hier kurz eingegangen werden soll: Da ist der Anstieg der Graugansbestände, sowohl als Brutvogel wie auch die Annahme als Mauserplatz. 1966, mit ihrem ersten Auftreten an der Westküste noch eine Rarität, brüteten erstmals 1975 wohl zwei Paare im Koog. Danach war ein steter Anstieg zu verzeichnen: Waren es 1984 noch 10 Paare, so stieg der Bestand 1996 auf 56 Paare, 2001 waren es 101 Paare und 2004 schließlich etwa 177 Paare. Noch beeindruckender ist der Anstieg der Mauserbestände: Wurden bis 1984 noch maximal 500 Exemplare im Juli/August/September gezählt, können heute regelmäßig bis 7.000 Graugänse im Sommer gezählt werden.
Der Hauke-Haien-Koog ist, wie nur wenige andere Seevogelschutzgebiete, leicht erreichbar und bietet dem Laien wie auch dem Spezialisten hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten. Beste Aussichten hat man von der Landesstraße am Deich, von wo man besonders am Nachmittag mit der Sonne im Rücken in die Becken hineinschauen kann. Bevorzugt sollte man die extra für diesen Zweck gebauten Parkbuchten aufsuchen und in keinem Fall das Auto verlassen, das einem nicht nur Wind- und Wetterschutz bietet, sondern vor allem als Beobachtungsversteck dient. Wer hier aussteigt, verscheucht – und das ist auch für alle anderen Beobachter ärgerlich – in weitem Umkreis alle Vögel. Ratsam ist es, Weststurm zu meiden –zwar sind dann besonders viele Vögel in den Speicherbecken, sie sitzen jedoch im Windschutz, den Pflanzen bieten, und sind kaum zu entdecken. Als Alternative zum Auto an der Straße bietet sich die Krone des Landesschutzdeiches an. Sie liegt hoch und bietet den besseren Überblick – die Entfernung zur Vogelwelt wächst allerdings um runde 50 m. Am günstigsten ist die Zeit, wenn die Flut vor dem Deich die Nahrungsflächen im Watt wieder unter Wasser setzt und Watvögel wie Enten zur Rast und Körperpflege in die Speicherbecken fliegen. Kurzum: Flut am Nachmittag oder Abend bei Sonnenschein bietet reichen Beobachtungsgenuss.
Wer als Anfänger einmal Kiebitz, Austernfischer, Rotschenkel oder die Uferschnepfe unterscheiden möchte und zudem über die Vielzahl der Entenarten staunen will (über 10 Arten kommen leicht zusammen) ist hier richtig. Der Spezialist wird sich auf die Suche machen, um zur richtigen Jahreszeit den Zwergschwan, den Dunklen Wasserläufer, den Regenbrachvogel oder den Zwergstrandläufer auf dem Durchzug zu finden. Im März/April ist der Durchzug zunächst der (Zwerg-)Schwäne und der Enten zu beobachten, während die Watvögel eher im April/Mai das Bild prägen. Umgekehrt verläuft der Wegzug: Zunächst die Watvögel (Juli/August/September), es folgen die Enten, Gänse und Schwäne (August bis November). Festgestellt wurden bislang etwa 240 Vogelarten, von denen rund 84 regelmäßig und in größerer Zahl alljährlich auftreten. In der ehemaligen Deicharbeiterunterkunft am Parkplatz in Schlüttsiel ist ein Infozentrum untergebracht.


